56. ESSENER TAGUNG

für Wasserwirtschaft

7. - 9. März 2023

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Rückblick: 55. ESSENER TAGUNG

Die 55. ESSENER TAGUNG fand mit über 800 TeilnehmerInnen und mehr als 50 Vorträgen wieder große Anerkennung in der Fachwelt. Sie wurde vom 09. bis 11. März 2022 zum zweiten Mal digital durchgeführt, dieses Jahr unter dem Motto „Wasserwirtschaft im Klimawandel“.

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte Professor Dr. Thomas Wintgens die TeilnehmerInnen. Er hieß die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, Frau Ursula Heinen-Esser, herzlich willkommen. Sie betonte, dass das Thema Wasser auch in der Politik zunehmend in den Mittelpunkt rückt und stellte die Signifikanz der Vorsorge besonders heraus. Diesbezüglich wird zugleich an Konzepten zum Hochwasserschutz und für langanhaltende Trockenperioden gearbeitet mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen umsetzen zu können. Dabei ist ein enger Austausch mit der Wasserwirtschaft angestrebt. Anschließend berichtete Professor Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts, über die Bewirtschaftung von Wasser in Zeiten des Klimawandels. Er stellte fest, dass sich der Klimawandel zunehmend zu einer Zeitproblematik entwickelt und die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland eine Bedrohung für Ökosysteme, Infrastruktur und Wirtschaftssysteme darstellen können. Auch er betonte die zentrale Rolle des Wassers in der Klimaanpassungspolitik.

Das Thema, welches die 55. ESSENER TAGUNG vornehmlich beherrschte, war das Juli-Hochwasser 2021. Guido Orthen, der Bürgermeister der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, hat die Ausmaße der Katastrophe veranschaulicht. Er berichtete über die Auswirkungen des Hochwassers, die neben dem Verlust zahlreicher Menschenleben auch massive Schäden an Infrastruktur sowie Langzeitwirkungen bei allen Beteiligten zur Folge hatte. Nach der Katastrophe wurden Anstrengungen unternommen, um die Wasser- und Stromversorgung wiederherzustellen, Abfälle zu entsorgen und das Abwassersystem in einen Zustand zu versetzen, in dem künftige Starkregenereignisse weniger Probleme verursachen würden. Neben den katastrophalen Auswirkungen des Extremwetterereignisses hob Herr Orthen jedoch auch die weitreichende Solidarität hervor, die ihm und seiner Stadt aus dem ganzen Land entgegengebracht wurde. Dennoch gibt es beim Wiederaufbau von Bad Neuenahr-Ahrweiler noch viel zu tun.

Im Themenblock Klimaanpassung wurden Maßnahmen vorgestellt, welche die Auswirkungen von Extremwetterereignissen zukünftig minimieren sollen. In Deutschland besteht im Hinblick auf Katastrophenmanagement noch deutliches Verbesserungspotential. So würden Risiken durch Extremwetterereignisse teilweise noch stark unterschätzt und Warnung nicht ausreichend ernst genommen. Die Ereignisse des vergangenen Jahres bieten nun die Möglichkeit, als Gesellschaft aus den Fehlern zu lernen, um in Zukunft besser vorbereitet für den Katastrophenfall zu sein.

Das Thema Gewässergüte wurde in einem nächsten Block aufgegriffen. Extremwetterereignisse wie das Juli-Hochwasser können sich negativ auf die Gewässergüte auswirken. Doch auch andere anthropogene Einträge wie PFAS oder Mikroverunreinigungen aus Kläranlegen können Gewässer zusätzlich belasten.

Dass die Folgen des Klimawandels nicht nur durch vermehrte Starkregenereignisse zu spüren sein werden, wurde im Themenblock Trockenheit und Dürre behandelt. Neben dem Wasserüberschuss stellen Wasserknappheit und eine abnehmende Wasserqualität eine zentrale Problematik dar. Dürreperioden bringen dabei nicht nur den natürlichen Wasserkreislauf aus dem Gleichgewicht. Auch Themen wie Wassernutzungskonflikte geraten immer mehr in den Fokus.

Das Thema Wassersensible Stadtentwicklung rundete den ersten Veranstaltungstag ab. Wasser im Klimawandel stellt nicht nur einen Teil des Problems dar. Eine nachhaltige Gestaltung der Wasserwirtschaft zeigt neue Lösungsansätze auf.

Der zweite Veranstaltungstag wurde mit dem Themenblock Wege zur Klimaneutralität eröffnet. Vortragende von HAMBURG WASSER, dem Ruhrverband sowie der Kläranlagen Aarhus und Bottrop veranschaulichten anhand eigener Beispiele, wie der Weg zur Klimaneutralität in der Praxis umgesetzt wird.

Auch der Digitalisierung in der Wasserwirtschaft wurde ein Block gewidmet. Neben der Vorstellung von Digitalisierungsstrategien wurde ebenfalls auf die Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung hingewiesen.

Im Themenblock Innovative Abwasserreinigung wurde über den Einsatz innovativer Technologien in der Praxis berichtet. Thematisiert wurden unter anderem die Abwasseraufbereitungsmethode Nereda®, bei der Abwasser durch aerobe granulare Biomasse biologisch gereinigt wird sowie die Kombination des Membranbelebungsverfahrens mit Pulveraktivkohledosierung zur Spurenstoffelimination.

Wie die Zukunft der Siedlungswasserwirtschaft aussehen kann stellten die ReferentInnen im nächsten Themenblock dar. Kläranlagen als Ressourcenlieferant, die biologische Abwasserreinigung und das Konzept der Schwammstadt zeigen Ideen für eine nachhaltige Entwicklung der Siedlungswasserwirtschaft auf. Ebenso wurde die Wichtigkeit einer innovativen Abwasserreinigung zur Erfüllung zukünftiger Wasserqualitäts-Anforderungen betont.

Der zweite Tag der Tagung endete mit Vorträgen über das Thema Trinkwasser. In einem ersten Block wurde neben negativen Einflüssen auf die mikrobiologische Qualität des Trinkwassers auch die Umsetzung der EU-Trinkwasserrichtlinie und die Möglichkeiten dezentraler Trinkwasseraufbereitung berichtet. Zukunftsweisende Aufbereitungstechnologien wurde in einem zweiten Block Trinkwasser – Technologien thematisiert.

Der Themenblock Klärschlamm / Phosphorrecycling leitete den dritten Veranstaltungstag ein mit einer Vorstellung der BMBF-Fördermaßnahme RePhoR und des Vernetzungs- und Transfervorhabens TransPhor. Die gezielte Einführung einer innovativen wirtschaftlichen Lösung zum regionalen Phosphorrecycling kann dazu beitragen, die Abhängigkeit Europas von Phosphatimporten zu verringern. Die Präsentation des Demonstrationsprojekts AMPHORE illustrierte, wie die Phosphorrückgewinnung im größten Ballungsraum Deutschlands umgesetzt wird.

Der abschließende Block Abwasserbasierte Epidemiologie nahm Bezug auf die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie. Die Vortragenden zeigten auf, wie Abwasser-Monitoring ein integrales Bild des Pandemiegeschehens bereitstellen kann. So können die Ergebnisse der Abwasseranalyse als Frühwarnsystem auch unabhängig von der Testbereitschaft in der Bevölkerung genutzt werden, um Trends in der Pandemieentwicklung und die Ausbreitung neuer Virusvarianten zu erkennen. Die Wasserwirtschaft kann in Zukunft eine neue Rolle im Warn- und Meldesystem einnehmen.

Neben den Fachvorträgen bot die ESSENER TAGUNG auch in diesem Jahr ein erweitertes digitales Angebot. Im virtuellen Raum Young Scientists hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich Vorträge ausgewählter Master- und Doktorarbeiten als Videos-on-Demand anzusehen. Des Weiteren standen der virtuelle Tagungsband sowie die Präsentationsfolien der Vortragenden zur Online-Ansicht oder zum Download zur Verfügung.

Mit dieser ESSENER TAGUNG verbunden war auch eine Stabübergabe in der Tagungs-Leitung: Wir danken Herrn Prof. Johannes Pinnekamp für seine langjährige wegweisende Leitung der Essener Tagung., er hat die Tagung seit 2005 inhaltlich geprägt und sie zu dem gemacht, was sie heute ist: eine der wichtigsten wasserwirtschaftlichen Tagungen in Deutschland. Dafür gelten unser besonderer Dank und unsere Hochachtung.

Das ESSENER TAGUNGSTEAM bedankt sich bei allen TeilnehmerInnen für ihr Engagement und ihr Interesse, was die diesjährige Veranstaltung wieder zu einem Erfolg gemacht hat. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, hoffentlich in Präsenz im März 2023 im Aachener Eurogress.

Die Tagungsbeiträge werden in der Schriftreihe „Gewässerschutz – Wasser – Abwasser“ als Band 254, ISBN 978-3-938996-60-7 veröffentlicht und sind zu beziehen über die

Gesellschaft zur Förderung der Siedlungswasserwirtschaft an der RWTH Aachen e.V.
Bibliothek
52056 Aachen
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Das Tagungsprogramm entstand in Abstimmung mit:

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